Da ich natürlich, wie die meisten Tierhalter, meinen Meerschweinchen
eine möglichst artgerechte Ernährung zukommen lassen
möchte, habe ich mich über längere Zeit mit dem
Thema "Trockenfutter - ja oder nein?" beschäftigt
und mir die Argumente beider Seiten angeschaut.
Die der Trockenfuttergegner sind im Allgemeinen folgende (Genaueres dazu jeweils unter "biologischer
Hintergrund"):
- Handelsübliche Trockenfuttersorten enthalten regelmäßig
Inhaltsstoffe wie z.B. Getreide, Bäckereinebenerzeugnisse,
Zucker (Melasse), Schokolade, Milch, Joghurt,... alles Dinge,
die in einem Meerschweinchenmagen nur Schaden anrichten können.
- Dieses Futter macht die Meerschweinchen sehr satt. Da die Tiere
aber einen Stopfmagen haben, sollten sie mit nur jeweils kurzen
Unterbrechungen eigentlich den ganzen Tag über (und auch
die Nacht hindurch) immer Nahrung zu sich nehmen.
- Satte Meerschweinchen haben wenig Lust, an Heu oder Ästen
zu knabbern. Beides ist aber notwendig, um einen ausreichenden
Zahnabrieb zu gewährleisten.
Die Argumente der Gegenseite beschränken sich leider immer
nur auf die folgenden:
- Man habe den Tieren schon immer Trockenfutter gegeben, und
es hätte ihnen nicht geschadet.
- Trockenfutter enthalte Vitamine, die die Meerschweinchen bräuchten.
Zu Punkt eins ist zu sagen, daß es sicherlich Meerschweinchen
gibt, die trotz einer nichtartgerechten Ernährung lange Zeit
relativ gesund leben. Allerdings geht dies auf Kosten ihres Wohlbefindens.
Und bei empfindlicheren oder anderweitig kranken Tieren kann die
Ernährung durchaus das Zünglein an der Waage sein, das
darüber entscheidet, ob ein solches Tier in Zukunft ein gesundes
Leben führen kann oder nicht. Nicht jedes Tier ist so robust,
eine unzureichende Ernährung ausgleichen zu können.
Zu Punkt zwei ist anzumerken, daß Meerschweinchen natürlich
ausreichend mit Vitamin C versorgt werden müssen, daß
dies aber auch ohne Weiteres durch eine entsprechende Fütterung
von Vit.-C-reichem Gemüse möglich ist. Auch im Winter,
wenn das Gemüse durch längere Lagerungszeiten u.ä.
weniger Vitamine enthält, kann eine vernünftige Versorgung
gewährleistet werden, indem man Vitamin C Tropfen verwendet.
In keinem Fall sollte man für die ausreichende Vitaminversorgung
in Kauf nehmen, daß die Tiere für sie ungeeignete Nahrungsmittel
wie Getreide oder Melasse aufnehmen und dadurch ihren Verdauungsapparat
schädigen. Zumal ja nicht einmal die Notwendigkeit besteht.
Die Argumentation oben mag sehr einseitig erscheinen, tatsächlich
ist es aber so, daß ich trotz mehrfachen Nachfragens nie
andere Argumente der Trockenfutterverfechter gehört habe.
Falls also irgendjemand noch schlagkräftige Argumente hat,
bin ich gerne bereit sie hier aufzunehmen. Das Gleiche gilt natürlich
auch, wenn jemand eines der angeführten Argumente der Trockenfuttergegnerseite
widerlegen kann oder noch etwas anderes zum Thema ergänzen
möchte. :)
Zunächst aber gehe ich erst einmal von Folgendem aus: Den
Tieren zuliebe sollte auf das übliche Trockenfutter verzichtet
werden. Statt dessen sollte die Enährung auf den Grundnahrungsmitteln
Wasser und Heu basieren und durch Gemüse und Kräuter
ergänzt werden.
Wer aber seinen Meerschweinchen trotzdem unbedingt Trockenfutter
geben möchte, sollte darauf achten, dies abends zu tun. Da
es sehr satt macht, werden die Tiere danach eine Weile nichts
fressen wollen und legen so die Nacht über eine Verdauungspause
ein. Morgens darf dann, um die Verdauung wieder in Gang zu bringen,
erst einmal nur Heu gegeben werden. Gibt man in einem solchen
Fall schon am Morgen Saftfutter, kann es zu schweren Verdauungsstörungen
kommen.
Das läuft dann auf folgenden Futterplan hinaus (Vorausgesetzt
ist, daß Heu und Wasser immer zur freien Verfügung
stehen):
- morgens frisches Heu
-
mittags Saftfutter (auch über mehrere Mahlzeiten verteilt
möglich)
-
abends Trockenfutter und Saftfutter
Wer seine Schweinchen ohne das handelsübliche Trockenfutter
ernährt, braucht sich an diesen Futterplan nicht zu halten,
da die Tiere die ganze Nacht über immer wieder kleine Portionen
zu sich nehmen, die Verdauung also gar nicht erst aussetzt.