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Unterschlüpfe

Sein wir doch mal ehrlich. Unsere Meerschweinchen sind kleine Schisserchen. Sie erschrecken sich vor allem und jedem und fühlen sich ausgesprochen unwohl, wenn sie sich in einem solchen Fall nicht sofort in irgendein schutzbietendes Loch verkriechen können.
Natürlich können sie nichts dafür - sie sind ja Fluchttiere und haben keine andere Möglichkeit, sich gegen Feinde zur Wehr zu setzen. Und deshalb wollen wir ihrem Drang, sich zu verstecken, entgegenkommen. Wir werden es ihnen sowieso nicht abgewöhnen können. ;)

Wichtig ist, daß jedes Meerschweinchen wenigstens einen Unterschlupf für sich hat, da einige Schweinchen in ihrem Versteck nämlich keine anderen Schweinchen dulden, auch, wenn es noch so viel Platz gibt. Nach Möglichkeit sollten ruhig noch ein paar zusätzliche Versteckmöglichkeiten vorhanden sein. Ein Meerschweinchen mag keine großen, leeren Flächen. Je mehr Verstecke zu finden sind, umso mutiger wird es.
Als Unterschlupf bietet sich alles an, was einen gewissen Sichtschutz bietet, dem Meerschweinchen aber dennoch einen Überblick über die Situation läßt. Dafür eignen sich Unterstände (einfache Bretter), Kuschelröhren, große Äste mit Laub oder Nadeln, Grasröhren, Weidenbrückchen und noch vieles mehr. Wichtig ist dabei nur, daß das Meerschweinchen auch bequem hineinpaßt - auch dann noch, wenn es ausgewachsen ist.

Wer kreativ ist, kann sehr viel selberbasteln. Aus unbedruckten Pappkartons und Handtüchern beispielsweise läßt sich eine ganze Menge machen. Und wenn du mit Holz umgehen kannst, sind dir keine Grenzen mehr gesetzt.
Natürlich kannst du auch einfach ins nächste Zoogeschäft gehen und dort einkaufen. Auch da gibt es verschiedene Möglichkeiten.

Das allererste, was den meisten Menschen zum Thema Meerschweinchenunterkunft so einfällt, ist vermutlich ein Nagerhäuschen. Das ging mir ganz genauso, auch wenn ich mittlerweile davon ab bin, und zwar u.a. aus dem Grund, weil diese Häuschen dem natürlichen Umfeld der Meerschweinchen so gar nicht nachempfunden sind. Darüber hinaus stören sie die Tiere in ihrem natürlichen Verhalten und können sogar gesundheitliche Schäden hervorrufen (siehe weiter unten).

Ein Meerschweinchen fühlt sich, wie oben bereits erwähnt, am wohlsten, wenn es jederzeit einen guten Überblick darüber hat, was in seiner Umgebung so vor sich geht, dabei aber selbst möglichst unsichtbar ist. In einem Häuschen ist es aber durch die Wände von seiner Umwelt abgeschottet. Sobald es darin sitzt, kann es am sozialen Leben der Gruppe nicht mehr teilnehmen.

Besonders bei Plastikhäusern besteht außerdem die Gefahr, daß durch den zu geringen Luftaustausch im Haus ein hervorragendes Klima für ein übermäßiges Bakterien- und Pilzwachstum gegeben ist. Diese Gefahr wird zwar durch einen Luftschlitz unter dem Dach besserer Nagerhäuschen ein wenig reduziert, allerdings nicht ausreichend, um eine Erkrankungsgefahr auszuschließen.

Als Verstecke besser geeignet sind Unterstände mit zwei offenen Wänden, Weidenbrückchen oder belaubte Äste. Hier kann die Luft gut zirkulieren und stehende Feuchtigkeit in dem Maße nicht entstehen. Außerdem fühlt sich das Meerschweinchen in diesen Unterschlüpfen unbeobachtet, hat aber trotzdem alles im Griff und kann im entscheidenden Augenblick zum Angriff blasen, wenn ein Mitschweinchen ihm wieder einmal das größte Stück Gurke wegfuttern will. ;)

Wenn es aber dann doch ein Häuschen sein soll, dann gibt es auch da noch Qualitätsunterschiede zu beachten.
Leider sind die meisten Nagerhäuschen, die man in Zoogeschäften findet, einfach viel zu klein; Du wirst vermutlich eine Weile suchen müssen, bis du ein Haus findest, in das ein ausgewachsenes Meerschweinchen bequem hineinpaßt.
Wichtig ist, daß mindestens zwei Türen vorhanden sind. Sitzt ein Schweinchen im Haus und es entschließt sich ein ranghöheres Tier nun ausgerechnet dieses für sich zu beanspruchen, braucht das rangniedere einen Fluchtweg aus dem Haus hinaus.
Leider haben die meisten handelsüblichen Nagerhäuschen neben den Türen auch Fenster. Das mag dem Geschmacksempfinden des Menschen entgegenkommen, es haben sich aber schon viele Meerschweinchen bei dem Versuch verletzt, durch diese Fenster hindurchzukommen. Oftmals schaffen sie es noch, solange sie klein sind, bleiben aber mit dem Kopf stecken, wenn sie größer werden. Nach Möglichkeit solltest du also Häuser mit Fenstern vermeiden oder diese nachträglich verschließen.
Dann ist noch die Frage offen, ob es ein Plastik- oder ein Holzhäuschen werden soll. Beide haben Vor- und Nachteile. Holzhäuser sind schwerer zu reinigen und sollten nach einiger Zeit komplett ausgetauscht werden. Plastikhäuser sind zwar leichter sauberzuhalten, könnten die Meerschweinchen aber schädigen, wenn diese daran herumknabbern. Außerdem ist, wie oben bereits erwähnt, selbst durch einen Belüftungsschlitz unter dem Dach eine ausreichende Belüftung hier nicht gewährleistet, so daß es zu starkem Bakterien- und Pilzwachstum innerhalb dieser Häuser kommen kann. Ich und meine Schnuten haben aus diesem Grund mittlerweile die Plastikhäuschen ganz ausrangiert.

Wenn's also jetzt kein Häuschen sein soll - was dann?

Weidenbrückchen - Sie bestehen aus mehreren mit Drähten aneinander befestigten Weidenaststücken. Du kannst sie als Rampe verwenden, wenn du sie an einer Seite an einer erhöhten Etage befestigst, oder aber - entsprechend gebogen - als Versteckmöglichkeit für deine Schweinchen. Diese Weidenbrückchen bekommst du in jedem gutsortierten Zoogeschäft, allerdings leider oft in nicht ausreichender Größe. Im Internet sind sie aber auch in "Meerschweinchengröße" zu bestellen. Adressen dazu findest du in der Linkliste.

Korkröhren - Das sind große Stücke aus der Rinde von Korkeichen. Auch die Korkröhren kann man oft im Tierhandel und ansonsten auch im Internet kaufen. Sie sind in sehr unterschiedlicher Größe und Form zu finden. Für das Schweinchengehege sind eigentlich nur die großen Stücke von Interesse, die eine gebogene Form aufweisen und somit als Unterschlupf dienen können. Viele Meerschweinchen knabbern sehr gern an dem Kork, so daß so eine Korkrinde wohl teilweise ein recht kurzes Leben hat. Da sie aber nicht schädlich ist, sollte man da ein Auge zudrücken und seinen Schweinchen den Spaß gönnen.

Unterstände - Einen Unterstand kann man sich ganz leicht aus einem Brett für die Fläche und zwei kleineren Brettern für zwei Standbeine zu beiden Seiten selberbasteln. Ich lege für gewöhnlich noch ein Handtuch darauf, das zu den offenen Seiten ein wenig überlappt. Das bietet den Meerschweinchen einen gewissen Sichtschutz und läßt gleichzeitig eine Öffnung, die groß genug ist, damit die Schweinchen den Überblick nicht verlieren. Außerdem sorgt das Tuch auf der Oberfläche für zusätzlichen Halt beim Springen, denn gleichzeitig dient dieser Unterstand meinen Schnuten als Treppenstufe zur zweiten Etage des Auslaufs.

Handtücher - Das meines Wissens nach vielseitigste Meerschweinchenverwöhnutensil ist und bleibt das simple Handtuch. Man kann es z.B. an Gittern oder, wie auf dem Foto zu sehen, am Plexiglas in einem Eigenbau befestigen und so einen sehr gemütlichen Unterschlupf basteln. Ich lege zusätzlich noch gern etwas Heu auf das Handtuch. So ist gleichzeitig eine Heuraufe entstanden und ein faulenzendes Schweinchen kann während es im sicheren Versteck hockt gleichzeitig noch Heu vom Dach mümmeln. Meine Meerschweinchen lieben das. :)


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